Bekenntnisse eines unordentlichen Kleingärtners

Hallo Allerseits,

Ich möchte mich gerne kurz vorstellen – Ich bin ein Kleingärtner,

… ein Kölner Kleingärtner, dem es von Anfang an sehr wichtig war,
im urbanen Raum auf 300 qm eine ökologisch wertvolle Oase für
Tier und Mensch zu schaffen.

Mich beschäftigt schon lange unsere Beziehung zur Natur und Umwelt.
Wir schaffen aus ihr unsere Nahrung, leben in ihr und werden von ihr bestimmt,
… und doch ist unser Alltag,  gerade in der Stadt,  eher davon geprägt,
dass wir die Natur möglichst ausklammern,  um möglichst wenig
in unseren Abläufen gestört zu werden.

Die schrecklichen Nachrichten über Artensterben,  Zusammenbruch des Ökosystems
im Allgemeinen und die immer geringere Lebensqualität in den Städten,
brachte mich dazu, etwas zu unternehmen.
.                                     Unternehmen zu müssen, genauer gesagt,
.                                     da ich sonst meine seelische Gesundheit riskierte.

Ich war immer schon ein Pflanzenfan gewesen, konnte mir aber im Juni 2019
das erste Mal den Traum eines Kleingartens erfüllen.

Im Schatten der Bayer-Werke Leverkusen, wörtlich an der nördlichsten Grenze Köln
und der schäl sick,  übernahm ich einen verödeten, so gut wie leeren Kleingarten mit absolut verarmtem Boden, Rasenquecke („trittfester“ Golf-Rasen wahrscheinlich), Wildhafer und kaum Leben, außer einiger tapferer Wildbienen, die sich ein paar besonders verödete Stellen zum Brüten im sandigen Boden ausgesucht hatten.

Einige Aspekte traditionellen Gartenbaus kannte ich oder fand ich in Büchern.
Allerdings merkte ich schnell, dass Förderung der Biodiversität, des Bodenlebens
sowie Schonung der Ressourcen und Einbeziehung des Mikroklimas selten
im klassischen Gartenbau berücksichtigt werden, höchstens optional und
nicht als fundamentale Prinzipien der Planung.

Und wohl besonderes nicht in manchen Kleingartenvereinen:

  • Grünschnitt ist „Müll“,
  • Unkraut ist und bleibt Unkraut
  • und weithin sichtbare Ordentlichkeit der Beete
    ist ein unabdingbares Element, um den sozialen
    Frieden zu garantieren.

Die Umgestaltung eines Kleingartens in ein Naturparadies
könnte ja unansehnlich wirken.

Und dann das Chaos !

Abgestorbene Pflanzenstiele und gemulchte Beete den ganzen Winter über.

Nun könnte man denken:
Da in der alten (!) Gartenordnung der Kölner Kleingärten zur Unterstützung
der Artenvielfalt aufgerufen wird und das übergeordnete Bundeskleingarten-
Gesetz nicht nur den Anbau von landwirtschaftlichen  Erzeugnissen, sondern
gleichwertig Natur- und Umweltschutz zu den Grundaufträgen der bundes-
deutschen Kleingärten postuliert,  es genug rechtlichen Freiraum gäbe, um
tatsächlich einen Kölner Kleingarten naturnah zu gestalten, auch wenn der
jeweilige Vorstand nicht so glücklich mit der geplanten Unordnung ist.

Zurück zu meinem Garten  – so dachte ich damals jedenfalls,
denn als ich glücklicher Neupächter die Anlage sah, ahnte ich schon,
dass biologische Bewirtschaftung und Naturschutz nicht die unangefochtenen
Prioritäten des Vereins waren und klärte die ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitglieder beim Vergabe-Gespräch vorsorglich darüber auf,  dass mir eine möglichst naturnahe Bewirtschaftung wichtig wäre,  dass dies mein erster Garten ist und ich somit
für Tipps und sonstige Unterstützung dankbar wäre.

Mittlerweile weiß ich, dass man im Garten nie auslernt, aber eben nicht nur da.

Als ich bei meiner Suche nach maximalem Naturschutz und bester Ernte auf die Permakultur und besonders das Element des essbaren Waldgartens gestoßen bin,
wusste ich, dass das genau das war, was ich in meiner Parzelle entstehen lassen wollte.

Der Garten wird hier als System gesehen,
wo möglichst alle Nährstoffe und Materialien
im System bleiben.

Bäume, Sträucher, Stauden, Bodendecker, Wurzelgemüse und Kletterpflanzen werden so gesetzt, dass sie sich gegenseitig gut tun, den Boden gesund werden lassen und möglichst ganzjährig leckeres Futter für Mensch und Tier abwerfen, oder so.
Und überall dazwischen noch einheimische Wildblumen für die verschiedensten Insekten. So entsteht ein Garten, der durch reichen, lebendigen Boden und Bodenleben und üppige Bepflanzung im Sommer kühlt und im Winter schützt und wärmt.

Der Müll muss aber weg !“ (Ja, der Grünschnitt), „Sie verunstalten den Garten!“
(Ich hatte noch mehr Obstbäume gepflanzt als in den ersten Wochen),  hatte zu viele Komposthaufen angelegt und überhaupt  – das „kann nicht funktionieren“.

Wie ja häufig schmerzlich zu beobachten ist,  wird gerne die eigene Meinung
und die Meinung Gleichgesinnter als der Wahrheit letzter Grund umklammert
und dann zwickt es, wenn Andere Anderes anders machen.

Auf die Gefahr hin,  dass redlich in der Kölner Gartenordnung geforderte
„harmonische Miteinander“ zu gefährden, wurde ich ignoriert, angeschrien,
mein Garten und sogar die Privatsphäre meiner Laube nachweislich drei Mal geschädigt: Der Vorstand glaubte, eine solche Unordnung und Andersartigkeit müsste den im Paragraph 13 des Pachtvertrages vorsorglich beschrieben Tatbestand eines Notfalls erfüllen.

Nach diesem wiederholten Hausfriedensbruch wurde,  wie nach einer gemeinsam bestandenen Mutprobe einer Bande Jugendlicher,  stolz von den erblickten, unfassbaren Zuständen in meiner Laube berichtet:
Es wurde ungespültes,  ja tatsächlich im Sinne von noch schmutzbehaftetem Geschirr und somit Zeugnis moralisch verwerflicher Gesinnung, erspäht und genüsslich fotografiert, durch das Fenster meiner Laube hindurch.

Woher ich das so genau weiß ?

Nun, ich spule mal durch zweieinhalb Jahre Pacht mit Abmahnungen, Geschreie, Begehung durch den Kreisverband, Kündigung und Räumungsklage sowie Ignorieren auch seitens des Kreisverbandes hindurch (es gab auch Rosen und wundervolles Obst und Gemüse und wirkliche Unterstützung seitens anderer Pächter);  ich spule also vor zu dem Rechtsstreit, der seit der Kündigung im November 2020 über ein Jahr lang schwelt:
Diese Fotos meines privaten Bereichs wurden als Beweismittel für eine fehlende Nutzfläche von Herrn Rechtsanwalt Michael Schiffer, im Auftrag des Kreisverbandes der Gartenfreunde Köln, bei Gericht eingereicht.

Ja, richtig, die illegal gemachten, zeitlich irrelevanten (ein halbes Jahr vor der Kündigung) und inhaltlich irrelevanten Fotos des noch nicht gespülten Geschirrs.

Und ja, richtig, es soll keine, also Null Nutzfläche
zum Zeitpunkt der Kündigung dagewesen sein.

Warum belästige ich die oder den werte Leser*in mit solchen rechtlichen Details?

Weil vor Gericht gelogen und diffamiert wurde; seitens des Kreisverbandes
der Kölner Gartenfreunde, dem das Wohl und Recht der Bürger, die von ihm
einen Garten pachten, als Auftrag der öffentlichen Hand, am Herzen liegen sollte.
Also zur Erinnerung – das ist so ungefähr in der Mitte des Brustkorbs.

Denn der Kreisverband erstellt Gutachten, die regelmäßig die Vorgaben von Bundeskleingarten-Gesetz, Bundesgerichtshof und anderen verbindlichen Urteilen, brechen.

So wird ein Garten  ohne bestehende Nutzfläche begutachtet, der voller reichbehangener Obstbäume, Beerensträucher, Kräuter, Gemüsepflanzen steht.
Warum ?   –  Gute Frage.

Eine Kölner Laune – die Gesetzeslage ist eindeutig, auch die Vorschriften innerhalb
des deutschen Kleingartenwesens, selbst wenn man den gesunden Menschenverstand ausschalten möchte:   Das was ich esse, kann sicher als Ernte gelten.

Auch die alte Kölner Vorschrift, 10 % der Nutzfläche mit einjährigen Kulturen bepflanzen zu müssen, hält vor keinem Gericht stand und wird interessanterweise
vom Kreisverband bei Rechtsstreitigkeiten auch nicht angeführt.

Aber es wird eben auch gelogen.
Die lange Liste der Nutzpflanzen, die ich bis zur Kündigung gepflanzt hatte,
wird ignoriert und als erfunden dargestellt.
Zwei Gutachterinnen werden als unfähig, unbefugt und parteiisch bezeichnet.

Die Schriftsätze des gegnerischen Rechtsanwalts strotzen vor Lügen, Unterstellungen und persönlichen Angriffen – auch wenn mir wiederholt versichert wurde, dass ein „rauherer Ton“ bei einem Rechtsstreit nicht unüblich sei (über die gesellschaftlichen Auswirkungen von hemmungsloser Unsachlichkeit und Übergriffigkeit eines Rechtsanwalts müsste man sich an einer anderen Stelle auslassen), frage ich mich, welcher Geisteshaltung und Auffassung der eigenen Verantwortung für einen öffentlichen Raum eine derartige Handlungsweise geschuldet ist.

Mein Fall hat glücklicherweise und dank wertvoller Unterstützung von GUT Köln, seitens des BUND Köln, dem Arbeitskreis Kleingärten des Naturgartenverein e.V.
und den Kölner Grünen mediale Aufmerksamkeit erhalten.
In den diversen Zeitungs-Artikeln und Fernseh-Berichten
kommt auch der Geschäftsführer des Kreisverbandes und
Unterzeichner meiner Kündigung,  Michael Franssen, zu Wort.

Interessant zu sehen ist, dass Michael Franssen entweder die Verantwortung, die er rechtlich de facto hat, wegschiebt oder versucht, mich persönlich zu diskreditieren.
Da lässt sich das angestrebte harmonische Miteinander in der Kölner Kleingartenwelt lange suchen.

Nun war gestern, am 9.12.2021, endlich die Gerichtsverhandlung beim Amtsgericht Köln. Die Richterin hat nachdrücklich zu einem Vergleich geraten, wo das Pachtverhältnis weiterläuft und im Juni eine offizielle Begehung meines Gartens stattfinden wird.
Dann soll geprüft werden, ob ausreichend Nutzfläche vorhanden ist.

Eigentlich müsste man sagen, ob die Nutzfläche noch da ist, denn sie ist seit
Beginn der Pacht viel weniger illusorisch als angenommen.

Nun hat der Kreisverband zwei Wochen Zeit, dem Vergleich zuzustimmen oder nicht.
Falls nicht, ergeht Anfang Januar ein richterliches Urteil.

Ich habe schon zugestimmt, denn so wird endlich eine ordentliche Begehung
meines Gartens stattfinden, wie der Kreisverband sie auch nicht zur Kündigung vorgenommen hat.
Es hätten ja Nutzpflanzen entdeckt werden können.
Denn von den ursprünglich 6 Gründen, die im Kündigungsschreiben aufgeführt waren, sind fünf klammheimlich fallengelassen worden, bevor es in die Verhandlung ging.
Diese waren nämlich rechtlich unzulässig oder gar nicht vorhanden.
Dennoch wurden sie ursprünglich aufgeführt – ein noch unbedarfter Pächter
glaubte natürlich, dass all diese Gründe zur Kündigung führen könnten.

Der einzige Grund, der aufrecht erhalten wurde, war wissentlich erlogen.
Dann allein in den Pachtpapieren kann man schon von Haselnuss, Kirschen,
Apfel und Erdbeeren lesen, die kostenpflichtig übernommen wurden.

Aber die sind ja in Köln keine Nutzpflanzen…

Ich hoffe sehr, dass mein Fall Licht auf den mühsamen Umgang mit der Natur
in vielen Kleingartenvereinen wirft und auf die Ungerechtigkeiten, denen Pächtern
noch zu oft ausgesetzt werden.

In anderen Städten und Regionen gibt es Schiedsstellen, Transparenz und Bemühen, möglichst mit der Natur zu gärtnern anstatt gegen sie – und hoffentlich gibt es  auch immer mehr die Erkenntnis,  dass, wie wir miteinander umgehen,  unsere Beziehung
zu uns selbst bestimmt und den Einfluss, den wir auf unsere Umwelt haben.

Köln, den 10.12.2021
.                              Marcus Baban

Zur Vorgeschichte bzw. meiner (Ricarda)
Siehe auch :   In Reih´ und Glied

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